Großbrand bei Traisen: Kampfmittelbelastetes Waldgebiet löst Großeinsatz über mehrere Landkreise hinweg aus
27.06.2026: Traisen, LK Bad Kreuznach
Am Samstagnachmittag, dem 27.06.2026, kam es im Bereich des Fernsehturms bei Traisen in der Verbandsgemeinde Rüdesheim zu einem großflächigen Waldbrand. Die ersten Einsatzkräfte wurden gegen 14:28 Uhr alarmiert. Während zu Beginn von einer Brandfläche von rund 3.000 Quadratmetern ausgegangen wurde, weitete sich das Feuer im weiteren Verlauf erheblich aus. Nach einer Drohnenerkundung der Einsatzleitung waren gegen 00:30 Uhr bereits rund 37.000 Quadratmeter beziehungsweise 3,7 Hektar Waldfläche betroffen.
Die Brandstelle befindet sich in einem schwer zugänglichen Steilhang und liegt innerhalb eines als kampfmittelbelastet eingestuften Gebietes. Wie Jörg Dindorf, Leiter des Teams Medien des Katastrophenschutzes im Landkreis Bad Kreuznach, gegenüber unserer Redaktion erklärte, wurden sämtliche Einsatzkräfte aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zurückgezogen, nachdem sich die Kampfmittelbelastung bestätigt hatte. Bereits verlegte Schlauchleitungen sowie weiteres Einsatzmaterial verblieben zunächst im Gefahrenbereich, um keine Einsatzkräfte unnötig zu gefährden.
„Wir hatten dann, nachdem sich herauskristallisiert hat, dass die Brandstelle belastet ist, sofort die Einsatzkräfte zurückgezogen“, erklärte Dindorf im Gespräch mit unserer Redaktion. Aufgrund der Gefahr durch mögliche Explosionen von Altmunition erfolgt die Brandbekämpfung derzeit ausschließlich aus sicherer Entfernung.
Nach Angaben von Einsatzkräften liegt die Brandstelle rund 650 Meter vom Fernsehturm entfernt. Um die weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern, wurde eine umfangreiche Einsatzstruktur aufgebaut. Im Feuerwehrgerätehaus Hüffelsheim richteten die Verantwortlichen eine Technische Einsatzleitung mit mehreren Einsatzabschnitten ein. Zusätzlich wurden die Einsatzleitung Gesundheit, Führungsunterstützungseinheiten, Krisen- und Medienkommunikation sowie zahlreiche weitere Katastrophenschutzeinheiten alarmiert.
Im Laufe des Abends entwickelte sich der Einsatz zu einer der größten Waldbrandlagen der vergangenen Jahre in der Region. Neben Feuerwehren aus dem Landkreis Bad Kreuznach waren zahlreiche überörtliche Kräfte aus den Landkreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms sowie weiteren Regionen von Rheinland-Pfalz und Hessen im Einsatz. Unter anderem wurden Waldbrandkomponenten, Löschwassertransportzüge, Tanklöschfahrzeuge, Führungsgruppen, Drohneneinheiten des Technischen Hilfswerks sowie Schnelleinsatzgruppen des Sanitäts- und Betreuungsdienstes nachalarmiert. Nach Schätzungen der Einsatzleitung befanden sich zeitweise mehr als 300 Einsatzkräfte im Einsatz.
Im Rahmen des Einsatzes übernahm auch der DRK-Kreisverband Bad Kreuznach umfangreiche Aufgaben der Einsatzkräfteversorgung. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes wurden zunächst mehr als 80 Kisten Getränke sowie Kaltverpflegung für rund 200 Einsatzkräfte bereitgestellt. Im weiteren Verlauf versorgten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer rund 250 Einsatzkräfte mit Nachtverpflegung, Getränken und Kaffee. Insgesamt waren zeitweise 25 Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler in die Versorgung eingebunden.
Parallel zum Waldbrandeinsatz unterstützte das DRK zudem den regulären Rettungsdienst, der aufgrund der hohen Temperaturen eine erhöhte Zahl hitzebedingter Einsätze verzeichnete. Hierfür wurden zusätzliche Rettungsmittel durch ehrenamtliche Kräfte besetzt. Gleichzeitig stellten die Rotkreuzler auch die medizinische Absicherung weiterer Veranstaltungen in der Region sicher.
Besondere Unterstützung erhielt die Einsatzleitung durch Spezialkräfte der Feuerwehr Hanau. Hintergrund ist deren Erfahrung bei Einsätzen in munitionsbelasteten Gebieten. „Die Feuerwehr Hanau hat selbst Einsatzgebiete, die munitionsbelastet sind, und verfügt dort über entsprechende Einsatzerfahrung sowie spezielle Einsatzmittel“, erläuterte Dindorf im Interview.
Die Hanauer Kräfte brachten unter anderem den ferngesteuerten Löschroboter „Magirus Wolf R1“ nach Traisen. Das kettengetriebene Spezialfahrzeug wurde speziell für Einsätze in gefährlichen Bereichen entwickelt, die von Einsatzkräften nicht mehr sicher betreten werden können. Ausgestattet mit Kamera- und Wärmebildtechnik sowie leistungsstarker Löschtechnik ermöglicht es eine Brandbekämpfung aus sicherer Entfernung und minimiert das Risiko für die Einsatzkräfte erheblich.
Bereits im Tagesverlauf war ein Polizeihubschrauber in die Löscharbeiten eingebunden. Dieser nahm Wasser am Niederhäuser Stausee auf und warf es über der Brandstelle ab. Parallel wurde eine umfangreiche Wasserversorgung durch einen Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen aufgebaut. Zusätzlich wurden mobile Wasserwerfer und weitere Spezialtechnik angefordert.
Im Verlauf der Nacht wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Einsatzgebiet weiter ausgeweitet. Zahlreiche Straßen und Feldwege im Umfeld der Einsatzstelle wurden durch die Polizei gesperrt. Mehrere Streifenbesatzungen waren im Einsatz, um Schaulustige aus dem Gefahrenbereich fernzuhalten und die Zufahrtswege für Einsatzkräfte freizuhalten.
Am Bereitstellungsraum trafen in den Nachtstunden fortlaufend weitere Einsatzkräfte und Spezialtechnik ein. Beobachtet wurden unter anderem Schwerlastfahrzeuge mit größeren Räumungs- und Spezialmaschinen, die für die weiteren Maßnahmen vorbereitet wurden. Zudem sammelten sich zahlreiche Mannschaftstransportfahrzeuge und Busse im Bereich der Bereitstellungsräume.
Da eine unmittelbare Brandbekämpfung im Kernbereich des Feuers derzeit nicht möglich ist, konzentrieren sich die Maßnahmen aktuell darauf, eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Das Feuer wird überwacht und kontrolliert eingegrenzt. Nach Angaben von Jörg Dindorf soll bei Tagesanbruch eine erneute Lagebewertung erfolgen. Erst dann wird entschieden, in welchem Umfang weitere aktive Löschmaßnahmen durchgeführt werden können.
Im weiteren Verlauf des Einsatzes verschärfte sich die Lage aufgrund der im Brandgebiet vorhandenen Kampfmittelbelastung. Nach Angaben der Polizei kam es im Bereich des Waldbrandes zum Auffinden beziehungsweise zur Detonation von Weltkriegsmunition. In der Folge wurde die gesamte Ortsgemeinde Traisen vorsorglich evakuiert.
Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und weitere Hilfsorganisationen waren neben der Brandbekämpfung und Einsatzführung auch mit umfangreichen Evakuierungs-, Verkehrs- und Absperrmaßnahmen beschäftigt. Zahlreiche Straßen im Umfeld des Einsatzgebietes wurden gesperrt, während Einsatzkräfte die Bevölkerung aus dem Gefahrenbereich führten und die Einhaltung der Absperrungen sicherstellten.
Zeitweise kam es im Umfeld des Einsatzes zu Ausfällen der Mobilfunkversorgung sowie zu Stromunterbrechungen. Nach Angaben mehrerer Beobachter waren zeitweise Teile der Infrastruktur betroffen. Ein offizieller Zusammenhang mit dem Einsatzgeschehen wurde zunächst nicht bestätigt.
Der Einsatz dauert weiterhin an. Während die Spezialkräfte die weitere Brandbekämpfung vorbereiten, laufen parallel umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Nach Angaben der Polizei musste die Ortsgemeinde Traisen aufgrund der Gefährdung durch Weltkriegsmunition vollständig evakuiert werden.
„Wir rechnen noch damit, dass der Einsatz voraussichtlich den gesamten Sonntag andauern wird“, erklärte Jörg Dindorf, Leiter des Teams Medien des Katastrophenschutzes im Landkreis Bad Kreuznach, bereits in der Nacht gegenüber unserer Redaktion.
Angaben zur Brandursache, zur Höhe des entstandenen Schadens oder zu möglichen verletzten Personen lagen zunächst nicht vor.
Vor Ort war unser Fotograf Robin Scherf.












































