MEK-Zugriff in Mainz: 29-Jähriger nach Flucht aus türkischer Haft festgenommen
20.08.2026: Mainz
Ein zunächst rätselhafter Einsatz bewaffneter und maskierter Polizeikräfte am Donnerstagabend, dem 20. August 2026, in der Mainzer Oberstadt ist aufgeklärt. Wie das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) am Freitag mitteilte, wurde gegen 19:00 Uhr in Mainz ein 29-jähriger türkischer Staatsangehöriger festgenommen, der aus einer Haftanstalt in der Türkei geflohen war. Gegen den Mann liegt ein Auslieferungshaftbefehl des Oberlandesgerichts Rostock in die Türkei vor.
Der Einsatz fand im Bereich der Freiligrathstraße nahe des Pariser Tors statt. Bereits am Donnerstagabend hatte Axel Schmitt, Polizeiführer vom Dienst beim Polizeipräsidium Mainz, unserer Redaktion telefonisch bestätigt, dass es sich um einen Einsatz des Hessischen Landeskriminalamts handelte. Auch rheinland-pfälzische Polizeikräfte seien zur Unterstützung vor Ort gewesen. Weitere Angaben zu den Hintergründen konnte die Mainzer Polizei zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen.
Mehrere Augenzeugen hatten unserer Redaktion von einem auffälligen Zugriff mit mehreren zivilen Einsatzfahrzeugen und maskierten, bewaffneten Einsatzkräften berichtet. Ein Zeuge schilderte, beim Vorbeifahren habe es den Anschein gemacht, als sei ein Fahrzeug durch ein anderes ausgebremst und anschließend von einem weiteren Fahrzeug von hinten blockiert worden. Zudem habe er eine Person gesehen, die mit auf dem Rücken fixierten Händen an einem Zaun gesessen habe. Etwa fünf bis sechs mit Sturmhauben maskierte und bewaffnete Einsatzkräfte hätten den Bereich abgesichert. Nach übereinstimmenden Schilderungen befanden sich unter den eingesetzten Fahrzeugen auch zwei Audi Q5 mit Aufsetzblaulicht.
Ein weiterer Augenzeuge vermutete bereits kurz nach dem Zugriff einen Einsatz eines Mobilen Einsatzkommandos. Diese Einschätzung bestätigte sich mit der Pressemitteilung des Hessischen Landeskriminalamts: Nach Angaben der Behörde wurde die Festnahme durch die Zielfahndung des HLKA mit Unterstützung des Mobilen Einsatzkommandos durchgeführt. Der 29-Jährige sei dabei widerstandslos festgenommen worden.
Auch ein Fotograf unserer Redaktion traf im weiteren Verlauf noch zwei maskierte Beamte der hessischen Polizei beziehungsweise des Hessischen Landeskriminalamts an der Einsatzstelle an. Die beiden Kräfte befanden sich bei einem zivilen Einsatzfahrzeug. Die Situation wirkte zu diesem Zeitpunkt weiterhin hektisch, unter anderem führte einer der Beamten ein Telefonat. Zu Beginn wurde unserem Fotografen gegenüber erklärt, dass vor Ort nicht fotografiert werden solle. Ein augenscheinlich unbeteiligter Mann im Bereich eines Toyota war ebenfalls in die polizeilichen Maßnahmen eingebunden. Einsatzkräfte erklärten vor Ort ausdrücklich, dass es sich bei ihm nicht um einen Beschuldigten handelte.
Nach Angaben des Hessischen Landeskriminalamts ist der nun Festgenommene in der Türkei zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von mehr als 30 Jahren verurteilt worden. Den Angaben zufolge erfolgten die Verurteilungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes, Freiheitsberaubung, Körperverletzung mittels Waffe, Bedrohung, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfacher Einbruchdiebstähle in Geschäfte. Der Mann habe noch eine Restfreiheitsstrafe von mehr als 14 Jahren zu verbüßen.
Nach seiner Flucht aus der türkischen Haft setzte sich der Gesuchte laut HLKA zunächst nach Norddeutschland ab und zog später in den Raum Lübeck in Schleswig-Holstein. Dortige Fahnder verfolgten seine Spur anschließend bis nach Hessen und baten die Zielfahndung des Hessischen Landeskriminalamts um Unterstützung.
Weitere Ermittlungen erhärteten nach Behördenangaben den Verdacht, dass sich der Gesuchte in Hessen aufhielt. Am Donnerstagabend gelang den Ermittlern schließlich mit Unterstützung des Mobilen Einsatzkommandos die Festnahme in Mainz. Die anschließenden polizeilichen Maßnahmen wurden auch von Beamten aus Rheinland-Pfalz unterstützt.
Benedikt Bachmann, Abwesenheitsvertreter, Chef vom Dienst und Pressesprecher des Hessischen Landeskriminalamts, hatte unserer Redaktion am Freitag zunächst telefonisch angekündigt, dass im Laufe des Tages ein Pressebericht zu dem Einsatz veröffentlicht werde. Um 14:37 Uhr veröffentlichte das HLKA schließlich die Hintergründe der Festnahme.
Nach Angaben des Hessischen Landeskriminalamts soll der 29-Jährige noch am Freitag, dem 21. August 2026, durch Beamte der rheinland-pfälzischen Polizei einem Haftrichter des Amtsgerichts Mainz vorgeführt werden.
Unsere Redaktion hatte nach dem Einsatz schriftliche Presseanfragen an das Hessische Landeskriminalamt, das Polizeipräsidium Westhessen sowie das Polizeipräsidium Mainz gerichtet.




