Mehr als 2.300 medizinische Versorgungen: ASB zieht Bilanz nach GLÜCKSGEFÜHLE-Festival
05.09.2026: Hockenheim, LK Rhein-Neckar-Kreises
Rund 250.000 Besucherinnen und Besucher, mehr als 2.300 medizinische Versorgungen und lediglich 33 notwendige Transporte in Kliniken: Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zieht nach dem diesjährigen GLÜCKSGEFÜHLE-Festival auf dem Hockenheimring eine positive Bilanz. Vom 3. bis 6. September 2026 fand dort die inzwischen vierte Ausgabe des Festivals statt. Nach dem Anreise- und Campingtag am Donnerstag bildeten Freitag und Samstag die beiden großen Festivaltage, bevor der Campingplatz am Sonntag geschlossen wurde.
Auf drei großen Bühnen standen während des Wochenendes mehr als 50 Acts aus den Bereichen Pop, Hip-Hop, EDM und Party auf dem Programm. Zu den auftretenden Künstlerinnen und Künstlern gehörten unter anderem David Guetta, Ayliva, Mark Forster, Marteria, Scooter, Boris Brejcha, BUNT., Hardwell, Lost Frequencies, Timmy Trumpet, SDP, Ski Aggu, Andreas Gabalier und die No Angels. Die Veranstalter meldeten nach Abschluss rund 250.000 Besucherinnen und Besucher an den drei Festivaltagen und ein ausverkauftes Festival. Das Veranstaltungsgelände auf dem Hockenheimring umfasst rund eine Million Quadratmeter. Bis zu 30.000 Camper waren für die diesjährige Ausgabe vorgesehen.
Für die medizinische Versorgung dieser Dimension war erneut der Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg verantwortlich. Insgesamt waren über das Wochenende rund 550 Einsatzkräfte aus ganz Baden-Württemberg für den Sanitätsdienst akkreditiert. Bis zu etwa 250 Kräfte befanden sich gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände im Einsatz. Ein großer Teil des Sanitätsdienstes wurde dabei durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer getragen.
An den drei Festivaltagen führten die Einsatzkräfte insgesamt mehr als 2.300 medizinische Versorgungen durch. Der überwiegende Teil entfiel auf kleinere Verletzungen und Beschwerden. Lediglich 33 Patientinnen und Patienten mussten zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser transportiert werden. In einem Fall war aufgrund einer dringlichen medizinischen Behandlung ein Weitertransport mit einem Rettungshubschrauber erforderlich.
„Alle notwendigen Transporte konnten mit eigenen Kräften durchgeführt werden. Das zeigt, dass unser Einsatzkonzept auch bei einem Festival dieser Größenordnung zuverlässig funktioniert“, erklärte Johannes Kattermann, ASB-Gesamteinsatzleiter des Sanitätsdienstes.
Eine zentrale Rolle innerhalb des medizinischen Konzeptes spielte das Medical Center hinter der Cloud-9-Bühne. Dieses wurde gemeinsam vom ASB und einem Team der Universitätsmedizin Mannheim betrieben. Fünf Ärztinnen und Ärzte sowie sieben Pflegekräfte der Universitätsmedizin Mannheim unterstützten den Einsatz dort ehrenamtlich. Gemeinsam mit den rettungsdienstlichen Kräften des ASB konnten zahlreiche Patientinnen und Patienten direkt auf dem Festivalgelände umfassend untersucht und behandelt werden.
Durch diese medizinischen Möglichkeiten mussten viele Patientinnen und Patienten nicht zusätzlich durch den öffentlichen Rettungsdienst in umliegende Kliniken gebracht werden. So konnten beispielsweise auch chirurgische Wundversorgungen unmittelbar auf dem Veranstaltungsgelände durchgeführt werden. Besucherinnen und Besucher konnten nach entsprechender Behandlung teilweise weiter am Festival teilnehmen. Nach Angaben der Universitätsmedizin Mannheim trug das Medical Center damit sowohl zur Entlastung des öffentlichen Rettungsdienstes als auch der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums Mannheim bei.
Eine besondere medizinische Komponente war in diesem Jahr zudem die Beteiligung der Universitätsmedizin Mannheim mit ihrer Mobilen Schlaganfalleinheit, der sogenannten Mobile Stroke Unit (MSU). Das spezialisierte Sonderfahrzeug war während des Festivals auf dem Hockenheimring vor Ort. Im Verlauf des Wochenendes kam es dabei auch zu einem gemeinsamen Einsatz der Mobile Stroke Unit mit dem Rettungshubschrauber Christoph 53.
Die Mobile Stroke Unit ist ein hochspezialisiertes Rettungsfahrzeug für die präklinische Versorgung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten. Kernstück des rund 5,5 Tonnen schweren Fahrzeuges ist ein vollwertiges mobiles Kopf-CT. Dadurch können eine für die Schlaganfalldiagnostik entscheidende Bildgebung und die neurologische Fachdiagnostik bereits unmittelbar vor Ort erfolgen. Über eine 5G-basierte telemedizinische Verbindung können CT-Aufnahmen und weitere medizinische Daten direkt zur Universitätsmedizin Mannheim übertragen und dort fachärztlich mitbeurteilt werden.
Unter entsprechenden medizinischen Voraussetzungen kann bei einem ischämischen Schlaganfall bereits präklinisch eine Thrombolyse eingeleitet werden. Gleichzeitig lässt sich anhand der Bildgebung frühzeitig beurteilen, ob beispielsweise ein größerer Gefäßverschluss vorliegt und eine mechanische Thrombektomie notwendig sein könnte. Die weitere Zielklinik kann dadurch gezielter ausgewählt und auf die Behandlung vorbereitet werden. Nach Angaben der Universitätsmedizin Mannheim soll sich durch das Konzept ein Zeitgewinn von etwa 30 Minuten gegenüber dem klassischen Versorgungsweg erreichen lassen.
Die Mobile Stroke Unit befindet sich seit Mai 2026 im tatsächlichen Einsatzbetrieb und wird regulär durch die Integrierte Leitstelle Mannheim zusätzlich zu einem regulären Rettungswagen zu entsprechenden Schlaganfallverdachtsfällen alarmiert. Die spezialisierte Besatzung besteht aus neurologischem ärztlichem Personal, einer Notfallsanitäterin oder einem Notfallsanitäter sowie medizinisch-technischem Personal aus der Radiologie. Anders als ein regulärer Rettungswagen ist das Sonderfahrzeug grundsätzlich nicht für den anschließenden Patiententransport vorgesehen. Nach der spezialisierten Diagnostik und gegebenenfalls eingeleiteten Therapie erfolgt der Transport in der Regel mit dem parallel eingesetzten Rettungswagen.
Die Mannheimer Mobile Stroke Unit entstand im Rahmen des Forschungsprojektes „RettungsNetz-5G“ und ist seit diesem Jahr die erste Mobile Stroke Unit dieser Art im tatsächlichen Einsatzbetrieb in Baden-Württemberg. Die Universitätsmedizin Mannheim erhebt im Rahmen des laufenden Forschungs- und Praxisbetriebs unter anderem Daten zu Einsatzabläufen, medizinischen Ergebnissen und wirtschaftlichen Aspekten des Konzeptes.
Daniel Groß, stellvertretender Landesgeschäftsführer und Landesrettungsdienstleiter des ASB Baden-Württemberg, hob nach Abschluss des Festivals insbesondere die organisationsübergreifende Zusammenarbeit hervor. „Ein Einsatz dieser Größenordnung funktioniert nur, wenn alle Verantwortlichen und Organisationen Hand in Hand arbeiten. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Sicherheitskräften, dem Veranstalter und dem Team der Universitätsmedizin Mannheim war hervorragend. Dafür gilt allen Beteiligten unser ausdrücklicher Dank.“
Besonders bedankte sich Groß bei den eingesetzten Kräften des ASB Baden-Württemberg. „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement, welcher Professionalität und welcher Leidenschaft unsere Helferinnen und Helfer diesen Einsatz ermöglicht haben. Ihnen gilt unser besonderer Dank.“
Auch in den abschließenden Rückblicken des ASB wurde die Leistung der zahlreichen Helferinnen und Helfer hervorgehoben. Neben den Einsatzkräften im unmittelbaren Patientenkontakt waren zahlreiche weitere Kräfte in Planung, Organisation, Führung, Logistik und weiteren Fachbereichen an dem mehrtägigen Einsatz beteiligt. Der Dank der Hilfsorganisation richtete sich zudem ausdrücklich an die Besucherinnen und Besucher. Deren friedliches, rücksichtsvolles und freundliches Verhalten habe die Arbeit der Einsatzkräfte erleichtert und zum positiven Verlauf des Wochenendes beigetragen.
Auch die Polizei zog nach dem Festival eine insgesamt positive Bilanz. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mannheim verlief die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse und insgesamt friedlich. Trotz der hohen Besucherzahlen blieben auch größere Verkehrsprobleme aus.
Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist insbesondere die Zahl der dokumentierten medizinischen Versorgungen deutlich gestiegen. Während der ASB für 2025 noch mehr als 1.200 Versorgungen gemeldet hatte, waren es in diesem Jahr mehr als 2.300. Gleichzeitig sank die Zahl der notwendigen externen Kliniktransporte von rund 40 im Vorjahr auf 33. Ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten. Das umfangreiche medizinische Konzept mit Medical Center und der engen Zusammenarbeit zwischen ASB und Universitätsmedizin Mannheim ist jedoch ausdrücklich darauf ausgelegt, möglichst viele Patientinnen und Patienten bereits auf dem Festivalgelände abschließend versorgen zu können.
Weber & Baur Medien- & Pressedienste begleiteten im Auftrag des ASB Baden-Württemberg an zwei Tagen die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit vor Ort und bedanken sich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Damit endet für die Einsatzkräfte ein Sanitätsdienst, der angesichts von rund einer Viertelmillion Festivalgästen zeitweise die Dimension einer eigenen medizinischen Versorgungsstruktur für eine Kleinstadt erreichte. Mehr als 2.300 Behandlungen, 33 Kliniktransporte, mehrere hundert beteiligte Einsatzkräfte sowie die Zusammenarbeit zwischen Sanitätsdienst, Universitätsmedizin, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Sicherheitskräften und Veranstalter prägten das Festivalwochenende.
Über den umfangreichen Sanitätsdienst und die Arbeit der Einsatzkräfte beim GLÜCKSGEFÜHLE-Festival hatten wir bereits während der Veranstaltung berichtet.
Vor Ort waren unsere Fotografen Lukas Krämer, Robin Scherf und Maximilian Weber.










